Konfuzianismus

 

Der Konfuzianismus hat bis heute einen entscheidenden Einfluss auf das Wertesystem und die Gesellschaftsstruktur im ostasiatischen Raum.

Zurückführen lässt sich die Staats-und Gesellschaftslehre auf den Philosophen Kongzi, der 551-479 v.Chr. in Lu, der heutigen Provinz Shandong gelebt haben soll.
Der eigentliche chinesische Name der  Schule des Konfuzius ist ruija und bedeutet die Schule der Gelehrten.
Der Begriff des Konfuzianismus ist christlichen Missionaren aus dem 17. Jh. zuzuschreiben, die den Namen latinisiert haben.

Viele Legenden ranken sich um das Leben und Wirken des Meister Kong.
Als relativ gesichert gilt, dass er als wandernder Lehrer während der Zeit der streitenden Reiche  gelebt hat und in dieser Zeit des politischen und sozialen Chaos ein System für ein geordnetes und respektvolles Zusammenleben geschaffen hat.

In der Han-Dynastie (206-220 n. chr.) war der Konfuzianismus Staatsdoktrin, klare hierarchische Strukturen waren ganz im Sinne der Herrscher.
Die Lehre des Konfuzius hatte einen entscheidenden Einfluss auf das chinesische Beamtensystem, noch bis Anfang des 20.Jahrhunderts war sie Teil der Beamtenprüfung.
Außerdem gilt sie teilweise bis heute als prägender Grundgedanke chinesischer Lehr-und Lernmethoden und als Fundament chinesischer Erziehung.
Ihre Tiefpunkte hatte die Lehre während der Herrschaft des ersten Kaisers von China Qin Shi Huangdi, der ihre Ausübung verbot und eine gigantische Bücherverbrennung veranlasste und während der Kulturrevolution, in der alles reaktionäre Denken ausgerottet werden sollte.



Die Lehre
 

Im Zentrum seiner Lehre steht der Begriff der Ordnung, besonders die Einordnung in eine bestehende Hierarchie.
Die korrekte Gestaltung der fünf menschlichen Beziehungen ist ein Leitthema.
Diese sind die hierarchischen Beziehungen zwischen:


Herrscher und Untertan

Ehemann und Ehefrau

Vater und Sohn

Älterem Bruder und jüngeren Bruder

Freund und Freund
(einzig diese Beziehung ist auf Augenhöhe)

 

Geprägt sind diese Beziehungen durch die fünf Tugenden:

Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Ethisches Verhalten, Weisheit und Güte, welche die drei sozialen Pflichten Loyalität (zhong), Kindliche Pietät( xiao-Verehrung von Eltern und Ahnen) und die Riten (li- Etikette, Sittsamkeit)nach sich ziehen.

Durch die Veränderung des einzelnen Individuums zum Guten entstehe ein Dominoeffekt, der sich letztendlich auf den Gesamtkosmos ausdehnen würde:

 

Ist mein Verhalten korrekt-so ist die Familie in Harmonie

Sind die Familie in Harmonie-so ist es auch das Dorf

Sind die Dörfer in Harmonie-so ist es auch die Provinz

und sind die Provinzen in Harmonie-so ist es auch das Reich

Sind die Reiche in Harmonie, so ist es auch der Kosmos.


Konfuzius wurden einige schriftliche Werke zugeschrieben, die bis heute noch große Relevanz haben. Diese sind bekannt als die 5 Klassiker und bilden den Kern des „Konfuzianischen Kanons“. Dazu gehören:

Das Buch der Urkunden (Regierungskonzepte), Das Buch der Lieder (moralische „Maxime“), Das Buch der Riten (Anweisungen für ein sozial angemessenes Handeln), Das Buch der Wandlungen (I Ging, Orakelbuch) und Das Buch der Frühlings-und Herbstannalen (Chronik des Staates Lu).
Von der Han-Dynastie bis 1905 waren diese Werke Grundlagen der Beamtenausbildung.


Bedeutung des Konfuzianismus heute


Die Lehre des Kongzi hat die chinesischen Verhaltensweise bis heute stark geprägt.
Sie ist die Basis der Erziehung in China und gilt als Grundstein für ein besonnenes und mitfühlendes Verhalten.
Auch andere Staaten wie Japan, Vietnam, Taiwan und Süd-Korea wurden stark vom Konfuzianismus beeinflusst. 1995 wurde er sogar zur Staatsreligion in Süd-Korea erklärt.

 

Im Laufe der Zeit vollzog sich in China eine Vermischung mit dem Daoismus und dem Buddhismus (Die drei Lehren) und auch mystische Elemente wurden in die eigentlich sehr diesseits orientierte Lehre aufgenommen.

Geehrt und mit Opfergaben bedacht wird der Philosoph, der auf Bildnissen mit dem spitzen Bart dargestellt wird, besonders vor wichtigen Schul-oder Universitätsprüfungen, sonst sind die sonst eher wenig frequentierten Tempel leer.

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