Chinesische Literatur

 

Die ersten chinesischen Texte aus dem 6. Jh. waren philosophische, wie die Konfuzianischen Klassiker oder das Daode Jing.

Historische Texte gab es erst ab der Han-Periode (206 v. Chr. -220 n. Chr.) beginnend mit Sima Qians Historischen Berichten.
Ab dieser Zeit gab es auch die staatliche Beamtenprüfung, die nur derjenige bestehen konnte, der Kenntnisse der Literatur, genauer des Konfuzianischen Kanons besaß.
Er beinhaltete die Werke: „Das Buch des Wandels“, „Das Buch der Dokumente“, „Das Buch der Gesänge“, „Die Frühlings-und Herbstannalen“ sowie“ Das Buch der Rituale“.

Diese galten aber primär als erzieherisches Regelwerk und bilden die Basis der chinesischen Erziehung.

Bis zur Song-Dynastie (960-1279) und im Besonderen während der Tang-Dynastie (618-906) war die Dichtkunst weit verbreitet. Die bekanntesten Dichter dieser Zeit waren Li Bo und Du Fu, die es auch außerhalb Chinas zur Bekanntheit brachten

Erste chinesische Romane gab es ab der Ming-Zeit (1368-1644).
Diese konnten mit der Erfindung des Buchdruckes nun auch einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.
Die bekanntesten literarischen Werke dieser Zeit sind „Die Geschichte der drei Reiche“, „Die Räuber vom Liangshan-Moor“, der erotische Roman „Jinpingmei“ und „Die Reise nach Westen“ – sie wurden zu Weltliteratur.
Das letzt genannte Werk nimmt Bezug auf die Pilgerreise des buddhistischen Mönches Xuanzang nach Indien.


Doch die Kunst des Lesens war ein Privileg. Bis zum 20. Jahrhundert wurde in >Wenyan< geschrieben, einer schwer zu lernenden Kunstsprache. Nur wenige waren in der Lage, diese zu beherrschen und so kam auch nur eine Minderheit in den Genuss dieser Bücher.

Noch bis zur Gründung der Volksrepublik im Jahre 1949 waren übrigens mehr als 90 Prozent der Chinesen Analphabeten!

Mit der Baihua-Bewegung (>baihua<- Umgangssprache), die sich aus der Studentenbewegung vom 4. Mai 1919 herausbildete, konnte sich die gesprochene Sprache als Schriftsprache durchsetzen.
Jetzt begann ein Prozess der geistigen Umgestaltung, der auch als chinesische Renaissance bezeichnet wird und aus dem Schlagworte wie „Mr. Science und Mr. Democracy“ hervorgingen.

Der Vater der modernen Literatur und des neuen Denkens war der Autor Lu Xun (1881-1936). Sein bekanntestes Werk „Die wahre Geschichte des Herrn Jedermann“ (1921), beschreibt die Geschichte eines Chinesen, der „nach oben buckelt und nach unten tritt“. Beliebt war er vor allem für seinen satirischen und realistischen Stil.

Mit der Autorin Bin Xin (1900-1999) setzte die chinesische Frauenliteratur ein.
Sie verfasste moderne Lyrik in der neuen umgangssprachlichen Schrift.
Ding Ling (1904-1986), war eine radikalere Feministin und ihr größtes Werk „Das Tagebuch der Sophia“ (1928) hat noch heute einen wichtigen Einfluss vor allem im Westen.

Zu Beginn der Volksrepublik 1949 ist noch das wichtige Werk „Teehaus“ von Lao She zu erwähnen, in der die chinesische Volkskunst integriert wurde, danach galt es in den nächsten Jahren lediglich, den richtigen politischen Inhalt zu vermitteln.


In der Hundert-Blumen-Bewegung (1957), wurden Künstler ermutigt, Kritik an Gesellschaft und Politik zu äußern, um daraufhin genau für dieses bestraft zu werden und ein Schreibverbot auferlegt zu kriegen.

In den Jahren der Kulturrevolution wurden praktisch nur noch die Werke von Mao und seiner Frau Jiang Qing publiziert.
Mit dem Sturz der „Viererbande“ 1976 begann sich langsam wieder eine neue Literaturszene zu entwickeln.
Unter dem Begriff „Narbenliteratur“, setzten sich einige Autoren mit den Leiden, die während der Kulturrevolution entstanden auseinander.
Auch die Frauenliteratur entwickelte sich weiter. Als ihre bekannteste Vertreterin ist Zhang Jie zu nennen.

 

Chinesische Literatur in Deutschland ist nur mäßig bekannt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die chinesischen Schriftsteller oft sehr in ihrer Landeskultur verwurzelt sind und sie eine Vorliebe für  starke Metaphern und den Gebrauch von Sprichwörtern und Anspielungen haben, die auf überlieferte Geschichten zurückgehen.

Bekannter sind in Deutschland die im Exil lebenden Autoren.
Hier resultiert der Begriff Dissidentenliteratur.
Der in den 80er Jahren in die USA emigrierte Ha Jin hatte mit seinem Werk „ Warten“, das viele historische Inhalte bietet, großen Erfolg.
Da Sijie ist bekannt geworden durch seinen zuerst auf Französisch erschienen Roman „ Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“, der ja auch erfolgreich verfilmt wurde. Beide Romane spielen während der Kulturrevolution und sind deshalb von großem Interesse für den westlichen Leser.

Der Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan macht in seinen Romanen immer wieder die chinesische Gesellschaft zum Inhalt. Am bekanntesten ist sein Roman „Rotes Sorghum“ (1986), der auch verfilmt wurde.

 

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