Chinesische Kunst - Traditionell bis modern

 

Traditionelle Kunst


Die frühesten chinesischen Kunstgegenstände fand man als Grabbeilagen der Königsgräber, wie Jade-und Bronzearbeiten.

Keramikarbeiten fand man aus der Shang- und der Zhou-Zeit und im Jahre 2012 haben Forscher in der chinesischen Provinz Jiangxi die Reste der weltweit ältesten Keramik-Gefäße entdeckt, sie sind angeblich 20 000 Jahre alt!

Die Keramikherstellung sowie die Malerei gelten als besonders hervorstechend innerhalb der chinesischen Kunst .Die Porzellanfertigung hat einen weltweiten Standard gesetzt. Die Chinesen waren schon 1000 Jahre vor den Europäern in der Lage es herzustellen.

Auch Lackschnitzereien, Jade-und Elfenbeinarbeiten gehören zu den hohen Künsten Chinas.


Keramik

Die frühesten Funde von Porzellanarbeiten stammen aus der Dawenkou-Kultur in Shangdong zwischen 5.000 und 3.000 v.Chr.
Besonders berühmt ist das Seladon-Porzellan, das zuerst im 4. Jh. n. Chr. gefertigt wurde. Es hat eine charakteristische an Jade erinnernde Glasur, die aus der Reduktion von Eisenoxid entsteht. Während der Ming-Dynastie gelangte es nach Europa und wurde hier zunächst mit Gold aufgewogen.

Lange Zeit blieb die Porzellanherstellung ein wohlgehütetes Geheimnis und war deshalb von unschätzbarem Wert.
Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die bekannte Ming-Vase im blau-weißen Stil. Bei dieser Technik wird vor dem Brennen eine kobaltblaue Unterglasur aufgebracht.


Kalligrafie


Die meditative Schreibkunst wird auch als Brücke zwischen Malerei und Literatur bezeichnet.
>Shu Fa<, das Gesetz des Schreibens, ist ein wichtiger Bestandteil der chinesischen Kultur.
Die Wertschätzung dieser Kunst durchzog alle Schichten.
Schon zur Zeit der chinesischen Beamtenprüfung wurde viel Gewicht auf die kalligrafischen Talente des Prüflings gelegt.

Das Handwerkszeug eines Kalligrafen sind die „Vier Schätze des Gelehrtenzimmers“: Pinsel, Tusche, Papier und Tuschereibstein.

Die Kunst der Kalligrafie bringe körperliche und geistige Vorteile mit sich, denn sie fördere Disziplin, Geduld und Ausdauer. Als eine Art der Meditation und könne sie auch als Lebenskultivierung betrieben werde.
Auch andere Länder wie Japan, Korea, sowie einige Länder Südostasiens haben daraus ihre eigenen Kalligrafie-Schulen entwickelt.

Chinesische Malerei

Die Malerei gilt als höchste Form traditioneller Kunst.
Die ältesten Werke lassen sich bis ca. 1500 v. Chr. zurückverfolgen. Anfangs handelte es sich dabei um Grabmalereien und Darstellung des Lebens am Hofe.
Die Landschaftsmalerei erreichte ihre Hochzeit in der Song-und in der Yuan-Periode. Während der Song-Dynastie entstanden die berühmten Blumen-und Vogelbilder. Sowie die Landschaftsbilder schroffer Bergwelten, wie das
Guilin-, Wuyishan- oder Huangshan-Gebirge. 

Anders als im Westen, wo es in der Malerei um Individualität ging, kopierten die chinesischen Maler erst die Meisterwerke bekannter Künstler, bevor sie einen eigenen Stil hervorbrachten.

Es ging den Künstlern auch nicht um die Detail getreue Wiedergabe sondern um die Vermittlung einer bestimmten Stimmung, die das Motiv ausstrahlen sollte.
Die Künstler begaben sich vor dem Malen in eine innere Stille um das Bild auf sich wirken zu lassen. Häufig wurden die Werke als Meditationsvorlage benutzt. Sie wurden dann als Rollbilder auf eine Seidenbahn gespannt und nur zu besonderen Anlässen hervorgeholt.

Gemalt wurde mit Bambuspinseln und schwarzer Tusche, die mit einem Tuschestein und Schleifgefäß angerührt wurde.

Klassische Motive sind die „Vier Edlen“ oder auch „die Vier Vorbildlichen“:
Chinesische Gelehrte der Tuschemalerei wählten vier Pflanzen aus, denen bestimmte Charakteristika zugeschrieben wurden:

der Pflaume, Chrysantheme, Bambus und Orchidee.
Dabei steht die Pflaume für Beständigkeit, die Chrysantheme für Widerstandskraft, der Bambus für Aufrichtigkeit und die Orchidee für Liebe und Schönheit.
Die Techniken der „Vier Edlen“ werden als Grundlagen der chinesischen Tuschemalerei angesehen.


Zeitgenössische Kunst


Mit der Machtübernahme der Sozialisten Ende der 1940er Jahre wurde Kunst als Propagandamittel benutzt.
Es dominierten Bilder von Mao Zedong, fröhlichen Arbeitern und fleißigen Bauern.
Erst Ende der 1970er Jahre öffnete sich die Kunstszene wieder. In den letzten Jahrzehnten ist in China eine moderne Kunstszene entstanden.

Vorreiter des „Zynischen Realismus“ ist Fang Lijun mit seinem Werk Serie 2 No.2. Der Zynische Realismus entwickelte sich als Reaktion auf die Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989.

Ein weiterer bekannter Künstler der Gegenwart ist Yue Minjun, ein Maler und Bildhauer, der mit seinen etwas grotesk anmutenden Darstellungen von krampfhaft lachenden „Grinse-Männern“ Millionenbeträge erzielt.

Ganz anders der zu Zeiten der Kulturrevolution aufgewachsene Künstler Zhang Xiagang, dessen Porträts von chinesischen Menschen steif und emotionslos wirken.
Er malte in seinen „Bloodline Series“ chinesische Familienporträts der 1950er und 1960er Jahre und stellte die Einsamkeit und Leere, die sich in den Gesichtern spiegelt dar. Durch diese Arbeit gelangte Zhang Xiagang zu Weltruhm.

Pekinger Kunstviertel 798

Die umgebaute Fabrikanlage im Bauhaus-Stil im Kunstbezirk Dashanzi ist seit 1995 Heimat einer großen Künstlergemeinde.

Inzwischen ist das Viertel 798 ein Symbol für den Aufstieg der Gegenwartskunst in China.

Vor einigen Jahren kaum geduldet, drohte dem Viertel vor einigen Jahren der Abriss, jetzt aber hat es sich zu einer Touristenattraktion entwickelt.
Der Charme der alten Künstlerkolonie ist durch Kommerzialisierung verflogen.
Trotzdem gibt es immer wieder einige neue und sehenswerte Galerien wie die „Beijing Commune“, die interessante Ausstellungen bietet.

In der Nähe von 798 hat sich das „Caochangdi Village“ zum neuen wichtigen Standort der zeitgenössischen Kunst in Peking entwickelt. Hier befindet sich auch die Galerie von Ai Weiwei, dem provokanten chinesischen Konzeptkünstler und Bildhauer.


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