Buddhismus in China

 

Ein Viertel aller Buddhisten weltweit lebt in China, etwa  100 Mio. Chinesen sind praktizierende Buddhisten. Doch die Etablierung dieser friedliebenden Religion hatte ihre Höhen und Tiefen.

Erste buddhistische Einflüsse kamen wahrscheinlich ab dem 1. Jh. n. Chr. von zentralasiatischen Einwanderern über die Seidenstraße nach China.
Da es an Übersetzungen mangelte und diejenigen, die es gab mit daoistischen Begriffen vermischt waren, sollte es einige Jahrhunderte dauern, bis sich der Buddhismus in China verwurzelt hatte.

Als er  in der Tang-Dynastie auch die breite Bevölkerung erreicht hatte, wurde die Lehre des Buddha Shakyamuni schnell gut angenommen.
Und das obwohl sie mit dem Daoismus und dem Konfuzianismus konkurrierte. Zum ersten Mal aber wurden den Menschen existenzielle Fragen beantwortet wie Fragen über die Existenz nach dem Tode, persönliche Schicksalsschläge, Unterschiede zwischen arm und reich etc.

 

Richtungen des Buddhismus


In China wurzeln die unterschiedlichen Schulen des Buddhismus im Mahayana, dem Großen Fahrzeug.

Mahayana steht für das Ziel zum Wohle aller Menschen, die vollständige  Erleuchtung zu erlangen.

Im Hinayana ist das Ziel die Befreiung von der Illusion eines eigenständigen Ichs.

Im 5. Jh. gelangte die Schule des Reinen Landes (Ching-t'u Tsung) von Indien nach China, sie ist bis heute die hier vorherrschende Richtung und mit über 100 Mio. Anhängern die größte buddhistische Schule weltweit.

Im Reinen Land der Freude des Amitabha-Buddha (der Buddha der westlichen Himmelsrichtung) kann derjenige wiedergeboren werden, der den starken Wunsch dazu manifestiert und verschiede „Ansammlungen“ angehäuft hat, wie zb. das Rezitieren des Namen des Buddha Amitabha:

„Na-mo A-mi-t'o Fo“ (Verehrung sei Amitabha-Buddha).

Im 6. Jh. Entstand in China der Chan Buddhismus, der sich in Japan zum Zen-Buddhismus gewandelt hat.
Er ist zurückzuführen auf den indischen Mönchen Bodhidarma, der 523 n.Chr. im Shaolin-Kloster in Henan, der zentral-chinesischen Provinz, gelehrt hat.
Im Chan- Buddhismus liegt der Hauptfokus auf der direkten Meditation und der „ unmittelbaren Erfahrung der Dinge, wie sie sind.“


Tibetischer Buddhismus

Der tibetische Buddhismus übt auf viele Menschen im Westen eine besonders große Anziehungskraft aus.

Viele große tibetische Meister, die ins Exil getrieben wurden, lehren seit einigen Jahrzehnten in vielen Ländern des Westens und erfahren großen Zulauf.

Der Buddhismus kam im 7. Jahrhundert n. Chr. von Indien nach Tibet. Die Übertragung der Lehre sollte einige Jahrhunderte dauern.
Für die Überlieferung des Dharma entwickelten die Tibeter sogar eine eigene Schrift.
Der tibetische Buddhismus hat viel mit dem indischen gemein, integriert aber auch Elemente der ursprünglichen animistischen Bön-Religion der Tibeter. In dieser ging es sehr magisch zu, mit Geistern, Dämonen, Gottheiten und vielen Ritualen.

Im 12. Jahrhundert entwickelte sich der tibetische Buddhismus eigenständig weiter und es entstanden die vier Schulen: Nyingma, Kagyü, Sakya und Gelug.

Sehr bekannt ist die Gelug-Tradition, die wegen ihrer Kopfbedeckung auch der Orden der Gelbmützen genannt wird. Sie wurde von dem Reformer Tsongkhapa gegründet- ihre Oberhäupter sind die Dalai Lamas.

Ein wichtiges Element des tibetischen Buddhismus ist die Philosophie des  Mahahaya und das Tantra.
Im Tantra wird mithilfe von Initiationen und Tantra- Meditation mit den tiefen Schichten des Bewusstseins  gearbeitet, um die vollständige Erleuchtung eines Buddhas zu entwickeln. Sie gilt als fortgeschrittene Praxis und bedarf der Anleitung eines qualifizierten Meisters.

Zentral im tibetischen Buddhismus ist auch die Verwirklichung der absoluten Realität, der alles durchdringenden Leere (Shunyata), die auch häufig mit dem alles durchdringenden Himmelsraum beschrieben wird. Sie hebt die Dualität von Samsara und Nirwana auf und bedeutet das Erreichen der Buddhaschaft.


Die Blütezeit des Buddhismus war während der Tang-Dynastie als dieser sogar die vorherrschende Religion war. Die daraus entstandene starke Machtposition der Mönche und deren Reichtum war Anlass der Tang-Kaiser, den Buddhismus niederzuschlagen. Fast alle buddhistischen Klöster wurden im Jahre 845 enteignet und die Mönche und Nonnen  zwangsweise in den Laienstand entlassen.
Danach sollte er nie wieder die gleiche Stärke zurück erlangen.


 

Die Lehre des Buddha

Siddharta Gautama, der Sohn eines Fürsten, wurde 560 v. Chr. In Lumpini im heutigen Nepal geboren. Im Alter von 35 Jahren erlangter er die Erleuchtung. Er erkannte die wahre Natur des Geistes. In den folgenden 45 Jahren  gab er seine  Erkenntnisse weiter und gründet Mönchs-und Nonnenorden.

Einige Grundlagen seiner Lehre sind:

Die Vier Edlen Wahrheiten.

Sie besagen, dass das Leben, solange der Geist seine wahre Natur nicht erkennt, geprägt von Leiden ist, dass es Ursachen für dieses Leiden gibt, dass das Leiden beendet werden kann und dass es dafür einen Weg gibt.


Der 8-fache Pfad, bestehend aus:

Richtiger Sichtweise, richtiger Absicht, richtiger Rede, richtigem Handeln, richtiger Lebensweise, richtiger Anstrengung, richtiger Achtsamkeit und richtiger Konzentration.


Die 6-Paramitas (Vollkommenheiten)

Großzügigkeit, Sinnvolles Verhalten, Geduld, freudige Anstrengung, Meditation und Weisheit


Das Gesetz vom Karma

Jede Handlungen hinterlässt Spuren in Form von positiven oder negativen Verdiensten, diese haben Einfluss auf die Erfahrungen, die wir in diesem oder im nächsten Leben machen.
Es wird auch das Gesetz von Ursache und Wirkung genannt.
Begibt man sich auf diesen Weg, so kann man die Erlösung vom Leid des Samsaras, dem Kreislauf der Wiedergeburten  von einem Leben zum nächsten erlangen.
Dann hat man das Nirwana erreicht oder kann als Bodhisattwa auf die Welt zurückkommen, um den Wesen auf dem Wege zur Erleuchtung zu helfen.

In China wird der barmherzige weibliche Bodhisattwa Guanyin, ähnlich der Jungfrau Maria, sehr von den Menschen verehrt und hat seinen Platz auf vielen Hausaltaren.


Buddhismus in China heute


Etwa 10 Prozent aller Chinesen bekennen sich heute zum Buddhismus. Er stellt wieder eine wichtige Kraft dar.

Dazu waren aber einige Jahrzehnte des Wiederaufbaus und der Wiederbelebung nötig.
Denn während der Kulturrevolution war die Religionsausübung verboten, zahllose Klöster wurden zerstört und Mönche und Nonnen verhaftet und auch getötet.

In den 1980er Jahren wurden mit der Neugründung der Chinesischen Buddhistischen Gesellschaft viele Klöster und Tempel wieder aufgebaut. Die Wiederbelebung hält bis heute an.

Das Bailin-Kloster in Hebei ist zb. die Hochburg der Chan-Buddhisten in China, in dem heute mehrere Hundert Mönche praktizieren.
Das Shaolin-Kloster, in dem heute etwa 100 Mönche leben hat eine regelrechte Kommerzialisierung erlebt, mit dem Namen Shaolin als eigene Marke.

Auch ein paar Superlative sind zu nennen:

In der Provinz Henan wurde die weltweit höchste Buddha Statue fertig gestellt. Die weltweit höchste Matreja-Statue wurde in der Provinz Zhejiang errichtet.
In diesem Jahr wurde außerdem das 2. Buddhistische Wetlforum in Wuxi abgehalten mit über 1000 Mönchen aus 37 Ländern.



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